Hier ist der zweite Teil der Liste. Die Punkte 1-5 gab es vor einiger Zeit hier.

[Einleitung von Teil 1] Die Predigt ist das Kernstück des evangelischen Gottesdienstes. Im Folgenden habe ich mir daher einige Gedanken zum Thema Predigen gemacht. Die Liste ist natürlich nicht abschließend und bestimmt kommen in späteren Posts neue Punkte hinzu. Die 10 Punkte sind eher Beobachtungen von mir, wie gute eine Predigt beschrieben werden kann.

6. Zeig mir den größeren Kontext. Verorte den Text und mein Leben in Gottes Geschichte mit den Menschen.

Gott hat einen Plan. Angefangen bei der Schöpfung bis zur Wiederkunft Christi und dem Endgericht ist jeder Moment geplant. Daher git es keinen Menschen, der außerhalb dieses Plans steht. Jeder von uns kommt darin vor. Predigttexte und Situationen müssen daher im Kontext der Geschichte Gottes mit der Menschheit verortet werden. 

7. Beeindrucke mich nicht, überzeuge mich. Sei demütig. Du bist nicht der schlaue Typ, der alles weiß. Das führt nur dazu, dass ich mich dumm fühle. Und dann höre ich eh nicht zu.

Menschen werden nicht gerne von oben herab abgekanzelt. Wen wundert’s? Wie jeder andere Glaubende ist auch der Pastor ein gerechtfertigter Sünder. Vielleicht ist er der Gemeinde in Sachen Fakten und Bibelwissen voraus. Gerade deshalb sollte er wissen, dass es einen Zeitpunkt gab, an dem er die Position des Hörenden eingenommen hat. Einen Moment, als er neu im Glauben war. Als ihn ein Pastor an die Hand nahm.

8. Zeige mir, dass Gott mich so sehr liebt, dass er mich annimmt, obwohl ich bin wie ich bin. Zeig mir, dass er mich so sehr liebt, dass er besseres für mich will.

Nach der Annahme kommt die Transformation. Machen wir damit ernst, dass Gott den Sünder annimmt, die Sünde aber hasst, muss von einer Veränderung im Herzen des Glaubenden gesprochen werden. Und gerade das ist das Großartige am christlichen Leben: Gott liebt uns so sehr, dass er uns nicht in unserer Situation belassen will. Jesus ist gekommen um die Welt zu retten und er wird jeden, der an ihn glaubt ganz retten (Joh 3,16).

9. Gib mir etwas für die Woche mit. Sorge dafür, dass ich die Kirche anders verlasse, als wie ich sie betreten habe.

Es ist gut, wenn eine Predigt ein Ende hat, dass zwar das Evangelium ganz gepredigt hat, aber dennoch etwas über lässt, dass der Hörer mit nach Hause nehmen kann. Eine in der Predigt gelegte Idee oder Verknüpfung, die in er Woche aktiviert werden kann, sorgt für eine tiefere Annahme der Botschaft.

10. Das Wichtigste jedoch: Verlass dich auf Gottes Geist. Er ist mit dir und öffnet den richtigen Menschen die Herzen.

Der Prediger steht nie alleine vor der Gemeinde. Gottes Geist ist mit ihm und wirkt unter den Hörern. Das kann zur Annahme der Botschaft führen, aber es kann genauso zur Verhärtung der Herzen führen. Das entscheidende für den Prediger ist es, beim Evangelium zu bleiben. Er ist nur der Bote. Die Botschaft ist vorgegeben.

Was meint ihr? Wie lässt sich die Liste erweitern? Worauf sollte ein Prediger noch achten?

2 Kommentare zu „10 Gedanken zur Predigt (Teil 2)

  1. Hallo Gunnar

    Tolle Liste, vor allem Punkt 2 (immer das Evangelium predigen) und Punkt 7 (Demut des Predigers). Ich nehme an Du predigst selber? Deine Gemeinde hat sicher Freude an einem Pastor, welche diese 10 Punkte umsetzt!

    Du fragst was noch fehlt? Für mich muss immer noch was intellektuelles, was Neues dabei sein. Wenn ich dieselbe Botschaft mit denselben Worten nochmals höre, dann hänge ich ab. Es gelingt mir dann manchmal mir zu überlegen, ob ich das auch wirklich mache, was der Prediger gerade sagt. Das ist im idealen Moment. Einfacher ist es aber, wenn es was frisches ist.

    Und ich finde nicht, dass die Predigt witzig sein muss. Mein Lieblingsprediger ist John Piper. Und er ist nicht unbedingt witzig, aber er ist ernsthaft, er ist leidenschaftlich. Er macht sozusagen Anbetung beim Predigen. Das finde ich toll, und wenn mir das fehlt, dann ist es wie ein Vortrag an der Uni wie Du sagst. Oder ein Buch lesen. Dann braucht es den Prediger vorne nicht, wenn da nicht auch Emotionen mit dabei wären..

    1. Hallo Philipp,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast die Ehre Nummer 1 zu sein.
      Mit Piper hast du natürlich Recht. Ich möchte nicht, dass er anfängt Witze zu erzählen. Das wäre wohl leicht skurril. Für mich gehört er auch in die Kategorie von Predigern, die einen so eigenen Stil haben, dass ihn keine allgemeine Liste einfangen könnte.
      Über deinen Gedanken, Predigt stärker als Anbetung zu sehen, werde ich mal nachdenken. Gefällt mir gut, vielen Dank dafür.
      Beste Grüße!

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