Der Frage, warum man Theologie studieren sollte, ist im Allgemeinen eine Nischenfrage. Schaut man an deutsche Hochschulen und Seminare, sind die Zahlen der Studenten deutlich geringer als zum Beispiel bei BWL oder Lehramt.
Lasst uns die Frage aber einmal von einer anderen Seite betrachten: Immer, wenn wir eine Aussage über Gott machen, sind wir Theologen.

Denn Theologie ist nichts anderes als die Lehre von Gott, bzw. die Rede von Gott. Und so ist jeder von uns, egal ob studiert oder nicht, ein Theologe oder eine Theologin.
Die Frage ist somit nur, ob wir gute oder ob wir schlechte Theologen sein wollen.

Für den Anfang sind drei Punkte zu beachten. Sie orientieren sich an den beiden Subjekten des Themas (Gott & Mensch) und an dem Sinn der Beschäftigung.

1. Über Gott lernen

Fragt nach dem HERRN und seiner Stärke, sucht sein Angesicht beständig! (Ps 105,4)

Zuerst dient Theologie dazu, mehr über Gott zu erfahren. Jede Überlegung zum Wesen und Handeln Gottes ist Theologie.
Es ist ein Suchen nach seinem Angesicht. Es ist der Ruf Gottes in unser Leben, dass wir ihn suchen. Und das nicht nur mir unserem Verstand, sondern auch mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft (Dtn 6,5).
Theologie dient hierbei als eine Art Rückversicherung, die uns auf dem richtigen Weg hält. Ein System von Glaubensaussagen kann nur überzeugen, wenn es einheitlich ist. Dazu muss es außerdem mit der Realität übereinstimmen. Ein Mensch kann unterschiedlichste Glaubensaussagen für sich beanspruchen, allerdings können nicht alle Glaubensaussagen miteinander kompatibel sein. Somit ist es wichtig, dass wir als Christen eine sichere Quelle haben, von der aus wir unsere Aussagen machen.

Ein schlechter Theologe glaubt also, was ihm gerade in den Kram passt.
Ein guter Theologe hört auf Gottes Wort, wenn er Aussagen über Gott oder die von ihm geschaffene Welt machen will.

2. Über mich lernen

Was ist der Mensch, dass du sein gedenkst, und des Menschen Sohn, dass du dich um ihn kümmerst? (Ps 8,5)

Das Studium der Theologie hilft außerdem, dass ich etwas über mich selbst lerne. Ebenso wie mich das Gesetz als Sünder überführt (Röm 3,10-12) und ich mich so als Sünder erkennen kann, zeigen mir Evangelium und Gnade, dass ich bei Gott angenommen bin und als gerechtfertigter Sünder vor ihm bestehen kann (Joh 5,24).
Gerade dadurch, dass ich meine Rechtfertigung nicht selbst erarbeiten kann, lerne ich Demut kennen. Am Beispiel Jesu lerne ich Nächstenliebe. So lerne ich im Nachdenken über Gott, den Schöpfer, etwas über mich, das Geschöpf.

Ein schlechter Theologe betreibt Theologie nur zur Anreicherung seines eigenen Wissens.
Ein guter Theologe lässt sich immer zugleich vom Wort Gottes treffen und überführen.

3. Warum Studieren nicht reicht

Redet so und handelt so wie Leute, die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen. (Jak 2,12)

Am Ende bleibt festzuhalten: Gott ist kein Etwas, das unter einem Mikroskop studiert werden kann, sondern ein Wesen, das mit uns interagiert. Ein Gegenüber, das sein eigenes Leben mit uns teilen möchte (2Petr 1,3).
Nehmen wir ernst, dass Theologie nicht nur für Theologen ist, sondern für jeden Christen, dann darf Theologie nicht im luftleeren Raum in der Studierstube geschehen, sondern muss eine Auswirkung auf das Leben der Menschen haben. Indem ich über Gott lerne, lerne ich über mich, lerne ich durch den Heiligen Geist mein Verhalten an Gottes Wort zu orientieren.

Ein schlechter Theologe betreibt Gedankenübungen am Schreibtisch.
Ein guter Theologe lässt sein Leben von Gott zum Besseren verändern.

Ein Kommentar zu „Warum eigentlich Theologie?

  1. Hat dies auf christenfindenruhe rebloggt und kommentierte:
    Heute bin ich auf diesen Artikel gestoßen. Er macht einige wichtige Aussagen. Es kommt darauf an, wie wir über Gott denken, über uns selbst und wie sich das auf unser Leben auswirkt.

    Die Gedanken in diesem Artikel können eine Hilfe sein, um bei Jesus Ruhe zu finden.

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