Meditation ist hip. Kaum eine spirituelle Praxis freut sich bei uns über ein so rasantes Wachstum. Die Angebote werden von verschiedensten Gruppen angeboten und erstrecken sich von einfachen Konzentrationsübungen bis hin zum Komplettpaket mit Weltsicht, innerem Powerhaus und der Suche nach dem eigenen göttlichen Funken, der doch irgendwo in mir drin sein muss…

Auch bei Christen steigt das Interesse. Damit stellt sich natürlich die Frage, inwieweit Meditation nach östlichem Vorbild mit einem christlichen Leben vereinbar ist. Meiner Meinung nach gibt es drei Gründe für das gesteigerte Interesse an Meditation.

 

Das Interesse am Fremden

Als Meditation in der Sechziger- und Siebzigerjahren nach Europa kam, wurde es gerade von der Flower-Power-Generation angenommen. Das Konzept war neu und im Establishment unbekannt. Und was damals interessant war, ist es auch heute noch. Meditation bietet ein in unserem Kulturkreis verloren gegangenes Erleben. Der Reiz des Fremden zieht noch immer. Man hört vielleicht von anderen, was bei einer bestimmten Form von Meditation (sei es Yoga oder etwas anderes) erlebt wurde. Und das will man nun auch erleben.

Der Mensch im Mittelpunkt

In der klassischen Meditation geht es darum, den Geist möglichst leer zu machen. Die Gedanken werden nach innen gerichtet und man begibt sich auf die Suche nach dem eigentlichen Selbst, das irgendwo im Kern des Menschen verborgen sein muss. Der Mensch betrachtet sich selbst und hofft dort die Antworten auf seine Fragen zu finden. Er macht sich zum Mittelpunkt seines kleinen Kosmos. Alles dreht sich in diesem Moment um ihn.

Die Hoffnung auf das Wundermittel

Vielleicht will man es auch einfach einmal ausprobieren, weil Mediation endlich das Wundermittel sein könnte, auf das man die ganze Zeit gewartet hat. Die meisten von uns kennen die Geschichten von Arbeitskollegen, die mit Meditationsübungen endlich mal abschalten konnten. Oder die einfach mal dem stressigen Alltag entfliehen wollen, um sich ganz auf sich zu konzentrieren. Oder die mit Meditation einfach mal 20 Kilo abnehmen wollen. Die Liste kann nach Belieben fortgesetzt werden. Man muss dazu lediglich in die Selbsthilfeabteilung der nächsten Buchhandlung gehen.

Wie kann eine christliche Antwort aussehen?

Schon seit Beginn der Kirchengeschichte gibt es christliche Meditation. Nur hat sie nichts mit dem Begriff zu tun, unter dem Meditation heute in unserer Gesellschaft genutzt wird.
Christlicher Meditation kann es nicht darum gehen, den Blick nach innen zu wenden und den Verstand zu leeren. Als Christen wollen wir genau das Gegenteil. Denn warum sollten wir auch nach innen schauen? Laut christlichem Verständnis finden wir dort nichts anderes als unsere sündige Natur. Um zu erkennen, wer wir sind und wie wir unser Leben gestalten sollen, wenden wir uns an Gott. Paulus beschreibt im Römerbrief eindringlich, wie das Verhältnis des Menschen zu seinem Leib und seiner Sündennatur ist:

„Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“

(Röm 7,19)

Nur damit wir uns verstehen: Dies ist kein Plädoyer gegen Stille und christliche Kontemplation. Zeiten der Stille haben eine lange christliche Tradition und sind Bestandteil vieler und wertvoller Gottesdienstformen. Stille darf nur nicht zum Selbstzweck werden. Sie ist das Mittel. Es ist nun einmal Tatsache, dass wir in einer lauten Welt leben, die immer in Bewegung ist. Zur Ruhe zu kommen ist da ein guter Startpunkt. Aber eben nicht das Ziel. Wenn wir zur Ruhe kommen und uns von der Hektik unserer Umwelt lösen, ist das der erste Schritt. Denn unser ruhiger Verstand kann nun mit dem Evangelium gefüllt werden. Im Gebet zu Gott gehen wir die Verbindung ein, auf die es eigentlich ankommt. Nicht die zu uns selbst, sondern die zu unserem Schöpfer. Zu unserem Vater im Himmel, der weiß, was wir brauchen.

Drei Punkte zur christlichen Meditation

  1. Eine christliche Meditation konzentriert sich immer auf Gott, nicht auf dich.
  2. Christliche Meditation füllt deinen Verstand mit dem Evangelium, nicht mit Leere.
  3. Christliche Meditation verdeutlicht deine Position als gerechtfertigter Sünder, nicht als Mittelpunkt der Welt.

Das Ganze klingt nun natürlich recht statisch. Eins, zwei, drei, Seelenfrieden. So ist es natürlich nicht. Wer so etwas verspricht, lügt. Die Gottesbeziehung ist eben genau das: eine Beziehung. Und wie jede zwischenmenschliche Beziehung ist sie auf Pflege und Kommunikation angewiesen. Und genau das ist christliche Meditation. Ich setze mich in Beziehung zu meinem Schöpfer und richte mich auf ihn hin aus. Ich bete zu Gott und lasse ihn in meinem Leben walten.

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