Schubladen machen das Leben einfach. Ich habe eine für meine Socken, eine für meine Unterhosen, eine für meine T-Shirts und dann noch einen ganzen Schrank voller Schubladen für meine Menschen. Und das gefällt mir gar nicht.

Wer in Schubladen denkt, macht es sich leicht

Ich habe in den letzten Wochen viel darüber nachgedacht, was es eigentlich bedeutet, jemanden in eine Schublade zu stecken. Auf den ersten Blick ist es gar nicht so schlimm. Und es passiert ja auch ganz automatisch. Ich sehe jemanden und sortiere ihn oder sie schon anhand des Aussehens oder der Kleidung in ein Muster, das es in meinem Kopf nun einmal gibt, ein. Dazu kommen noch die anderen Kategorien, in denen wir allzu oft denken: Wir haben soziale Schubladen (arm/reich, etc), die sofort ein bestimmtes Licht auf den Menschen vor uns zu werfen scheinen. Wir haben theologische Schubladen (liberal/konservativ, Calvinist/Lutheraner, Christ/Atheist, Freikirchler/Landeskirchler). Auch da stecken wir gerne Menschen hinein. Und dabei übersehen wir gerne eine Kleinigkeit: Dieser Mann ist kein Calvinist. Und diese Frau ist keine liberale Atheistin. Beide sind Menschen. Geschöpfe Gottes mit einer Geschichte. Und es wird absurder. Heute muss ich den Menschen nicht einmal wirklich kennen, der bereits alles über mich weiß. Dem Internet sei Dank! Ich bin schon Leuten begegnet, die einen Blick auf meine Facebookseite geworfen haben und anhand von wenigen Gruppen, in denen ich Mitglied bin sofort alles über mich wussten. So ein Gespräch läuft fast von alleine, wenn dein Gegenüber davon ausgeht, dass Facebook hundert Prozent deiner Identität ausmacht…

Wer in Schubladen denkt, nimmt den Menschen nicht wahr

Schubladen machen das Leben leicht. Schubladen sorgen aber dafür, dass das Leben an uns vorbei rennt. Ich verpasse die Geschichte eines jeden Menschen, den ich bereits eingeordnet habe und von dem ich also alles zu wissen glaube. Und genauso verpassen andere meine Geschichte, weil sie bereits zu wissen glauben, wer ich bin. Besonders traurig wird das Ganze natürlich, wenn wir bedenken, dass in der Geschichte jedes Menschen Gott am Werk ist. Ich verpasse also nicht nur einen Menschen, sondern ich verpasse auch einen Bericht darüber, wie Gott mit seinen Geschöpfen umgeht und mit ihnen in Kontakt steht.

Wer in Schubladen denkt, nimmt sich selbst nicht wahr

Eine Schublade funktioniert, weil sie eben eine Schublade ist und kein großer Klamottenhaufen, auf dem alles durcheinander fliegt. Schublade A kann nicht Schublade B sein. Und wenn ich einen Menschen in eine Schublade einordne, grenze ich ihn zumeist auch von mir ab. Ich bin im Zweifel nämlich in einer anderen Schublade. Denn ich bin ja nicht wie die Anderen. Das Problem: auch ich passe nicht in eine Schublade. Auch meine Geschichte ist zu vielschichtig und voller Brüche, als dass ich sie fein säuberlich und passgenau in ein Muster legen kann. Sehe ich mich also selbst auch bloß in einer Schublade, nehme ich mich tatsächlich nur verkürzt wahr. Ich sehe etwas, das ich vielleicht gerne wäre. Aber ich sehe nicht den gebrochenen Menschen, der auf Gottes Vergebung angewiesen ist.

Wer in Schubladen denkt, denkt anders als Jesus

Lukas berichtet uns, wie Jesus in das Haus des Zöllners Zachäus einkehrt. Die umstehende Menge murrt, denn sie weiß schon: Zachäus ist ein Zöllner und Sünder. Der Fall ist erledigt. Mit dem hat man nichts zu tun. Jesus sieht das anders. Er geht in das Haus des Mannes und hört sich seine Geschichte an. Zachäus bekehrt sich. Denn Jesus hat in ihm nicht des Zöllner gesehen, sondern das Geschöpf Gottes. Nicht den Sünder, sondern den Sünder, der Retter braucht. Jeder Mensch hat eine eigene Geschichte, die keiner anderen gleicht. Manches davon kann ich sehen, anderes erfahre ich erst mit der Zeit und im Gespräch, manches erfahre ich vielleicht nie. Wichtig ist jedoch: Du bist keine Schublade und ich bin keine Schublade. Du bist ein Geschöpf Gottes und ich bin ein Geschöpf Gottes. Wir sollten einander auch so behandeln.

gefahr schubladen_Fotor

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