Jede Gemeinde braucht jemanden mit einer Vision. Und ich meine damit nicht unbedingt die Art von Visionen, wie die Propheten sie hatten. Ich meine keine Träume voller Feuer und Schwertern, Obstkörben und Pendeln. Wenn ich hier von einer Vision rede, meine ich den Weg, auf dem sich die Gemeinde weiterentwickeln soll. Eine Gemeinde, die sich nicht nach vorne bewegt, die nicht ein Abbild des wandernden Gottesvolkes ist, wird über kurz oder lang einschlafen.

In jeder Gemeinde sollte es daher jemanden geben, der sich genau über diese Frage Gedanken macht. Jemand, der nicht nur die nächsten Sonntage im Blick hat, sondern den Weg für die Zukunft der Gemeinde erahnt.

 

Auf Gottes Wort hören

Der erste Schritt ist grundlegend und ergibt sich aus einem einfachen Umstand: Jesus ist der Herr der Gemeinde. Jede Kirchengemeinde gehört Jesus. Er ist der Chef, er hat das beste Büro ganz oben. Von daher beginnt die Frage danach, wie sich eine Gemeinde entwickeln soll immer mit Gottes Wort.
Kurz gefasst hat jede Gemeinde die gleichen Aufgaben: Verkündigung, Lobpreis, Nachfolge, Seelsorge.

 

Die eigene Identität ausarbeiten

Die Prinzipien, die aus der Schrift gewonnen wurden, müssen nun auf die Situation der Gemeinde angewendet werden. Da sich jede Gemeinde in einer eigenen Situation befindet, gibt es auch keine Lösung, die ohne Anpassung angewandt werden kann. Hierbei stellt sich die Frage, was die eigene Gemeinde besonders macht. Was sind die Stärken? Wo gibt es bereits Netzwerke, auf die man zurückgreifen kann? Auf welche Art ergeben sich Chancen, die für diese Gemeinde einmalig sind?
Die Prinzipien bleiben also die gleichen, jedoch werden sie für die spezifische Gemeinde kontextualisiert. Eine bestimmte Gemeinde führt Menschen in die Nachfolge Jesu, kann dies aufgrund ihrer Situation aber auf eine Art tun, die in einer anderen Gemeinde vielleicht nicht ohne weiteres möglich wäre.

 

Die Vision kommunizieren

Eine Vision, die nur in einem Kopf existiert, bringt nicht viel. Eine Vision muss in möglichst alle Köpfe der Gemeinde. Und um sie zu kommunizieren reicht es nicht, das fertige Konzept auf den Tisch zu legen und davon auszugehen, dass nun alles seinen Weg geht. Will man die Gemeinde mit ins Boot holen, darf man das Boot also nicht bloß auf den Hofplatz stellen. Man muss zeigen, warum es das beste Boot ist und dass man in genau dieses Boot hineinklettern will um durch die Stürme des Lebens zu fahren. Hierbei kann es helfen, sich an den folgenden Fragen zu orientieren.

Wer? – Wer ist die Gemeinde (Identität) und was ist damit ihre Aufgabe?

Hier fallen die beiden Punkte von oben zusammen. Die Gemeinde muss verstehen, was sie zur Gemeinde macht (Verkündigung, Lobpreis, Nachfolge, Seelsorge) und wie sie diese Aufgaben in ihrer Situation mit Hinblick auf den größten Gewinn umsetzen kann.

Wohin? – Wohin geht die Reise?

Es muss nicht zwingend darum gehen, Zahlen zu erfüllen („Wir wollen bis Ende des Jahres x neue Mitglieder.“). Es muss jedoch kommuniziert werden, wie sich aufgrund der Vision bestimmte Aspekte der Gemeinde und des Gemeindelebens im Laufe der Zeit verändern werden. Wenn Gott an seiner Gemeinde handelt, bleiben die Dinge nicht beim Alten.

Warum? – Welche Motivation hast du?

Menschen verstehen nur wohin man will, wenn sie wissen, was dich antreibt. Sie werden dir nicht blind folgen. Erkläre ihnen, was dich antreibt und sie werden verstehen, warum du tust, was du tust.

Was? – Was tust du und was können die anderen tun?

Suche in deiner Gemeinde nach Gaben, die helfen, Gottes Plan für euch voran zu bringen. Setze die Menschen nach ihren Fähigkeiten ein und gib ihnen Verantwortung. Jesus ist der Leib und wir alle sind seine Glieder. Also sollte auch jeder Körperteil genutzt werden.

Ich könnte diese Liste noch um einige Punkte erweitern. Deutlich wird aber schon jetzt: Gott hat für jede Gemeinde eine Vision. Diese muss für die aktuelle Situation erarbeitet werden und dann kommuniziert werden. Die Gemeinde muss wissen, wo es hingehen soll und dass es Gottes Vision ist. Und so werden wir eines Tages vor Jesus stehen und hoffentlich hören:

Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn.

(Mt 25,21)

vision

2 Kommentare zu „Sag mal, hast du Visionen?

  1. Einfach und plausibel. Oft haben wir Christen eine viel zu mystische Sicht von Gemeindevision. Vielleicht sollten wir deshalb einfach von „Perspektive“ sprechen?

    1. Hallo Daniel,
      gute Frage. Perspektive ist für mich immer erst einmal ein bestimmter Blickwinkel auf eine Sache. Eine Perspektive blickt (für mich) immer auf etwas, das schon da ist. Vision deutet mehr in die Zukunft. Unterscheidest du anders?

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