Einer meiner Schüler trug heute eines dieser roten Armbänder mit dem Aufdruck W.W.J.D. – What would Jesus do? – Was würde Jesus tun? Die Armbänder, deren Ursprung in den christlichen Jugendgruppen der 1990er Jahre liegt, sind auch heute in manchen Kreisen relativ stark verbreitet. Man trägt sie am Handgelenk und wird so quasi nebenbei bei allen möglichen Handlungen des Tages auf die Frage hingewiesen: Was würde Jesus jetzt tun, wenn er in meiner Situation wäre?

Jesus, der Morallehrer

Das Akronym auf dem Armband stellt eine einfache und zugleich wichtige Frage: Was würde Jesus tun? Es führt uns also direkt auf die Frage nach dem Handeln Jesu. Und keine Frage: Jesus ist ein Vorbild. An ihm sehe ich, wie Gott sich den Menschen zuwendet. Ich sehe ihn heilend, aufrichtend, zuhörend. In Jesus sehe ich Gott handeln. Und das ist wunderbar. Denn könnte ich Gott in Jesus nicht handeln sehen, woher könnte ich etwas von Gott wissen? Als Mensch kann ich Gott nicht aus eigenem Verstand erkennen. Ich weiß von Gott, was Gott mich über sich wissen lässt. Und als Weg seiner Mitteilung hat Gott Jesus gewählt. Denn:

Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn, und wem der Sohn ihn offenbaren will.

(Mt 11,27)

Und dabei stellt das Armband leider die zweite Frage vor der ersten.

 

Jesus, der Retter

Richte ich mein Leben an der Frage aus, was Jesus tun würde, lande ich schnell in einem Performance-Zwang. Denn das Problem an der Sache ist: Jesus ist ohne Sünde. Er hat in jeder Situation das Richtige getan. Mache ich das zu meinem Maßstab, werde ich unweigerlich scheitern.

Das soll nicht falsch verstanden werden. Nächstenliebe und gute Taten gehören zum Leben eines Christen. Aber sie können nie den Hauptaspekt des christlichen Lebens ausmachen. Frage ich nur, was ich tun kann, verliere ich eine Tatsache aus dem Blick: Es geht überhaupt nicht darum, was ich tue. Es geht darum, was Jesus für mich bereits getan hat. Jesus ist für meine Sünden am Kreuz gestorben, damit ich nicht für meine Sünden sterben muss. Er hat ein perfektes Leben gelebt, weil ich dazu nicht in der Lage bin.

Jesus hat sein Leben nicht für sich selbst gelebt, sondern für mich. Ich muss mein Leben nicht krampfhaft selbst zu einem guten Ende bringen, sondern darf mich auf sein Leben verlassen. Ich darf scheitern. Ich werde scheitern. Immer wieder und bei allen Gelegenheiten. Deshalb sollte mein Fokus nicht auf meiner Handlung liegen. Jesus ist nicht dafür da, um mir zu zeigen, was ich noch alles tun muss. Er ist auf die Welt gekommen, um mich zu retten. Ich darf mich auf sein Werk verlassen. Mein Armband sagt nicht Was würde Jesus tun?, sondern Jesus hat bereits alles für dich getan!

wwjd

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s