Die Gnade Gottes ist schon eine komische Sache.

Diese Woche stand ich im Supermarkt an der Kasse. Mir schwirrten Gedanken im Kopf umher. Dinge, die ich falsch gemacht habe. Dinge, die ich besser machen wollte. Die Woche war düster gewesen und auch dieser Tag sah nicht danach aus, als würde er deutlich besser werden. Und dann sprang mein Handy auf das nächste Lied. All you’ve ever wanted von Casting Crowns.

Herr, ich weiß, dass ich dich enttäuscht habe
Aber irgendwie werde ich dich wieder stolz machen
Ich werde das Ruder rumreißen
Und zu dir zurückkehren.

Das waren genau meine Gedanken an diesem Tag. Ich habe Gott enttäuscht und nun ist es an mir, ihn wieder mit mir zu versöhnen. So funktionieren wir Menschen nunmal. Wenn ich etwas verbocke, muss ich es auch wieder gerade biegen. Als Mensch bekomme ich von anderen Menschen selten etwas geschenkt. Ich kann mir etwas verdienen. Und ich kann auch nicht aus eigener Kraft zu Gott zurück kehren. Ich kann mich nicht aus eigener Kraft wieder gut mit ihm stellen.

Aber so funktioniert Gnade nicht. Ich kann nichts tun, um mich mit Gott wieder gut zu stellen. Ich kann mir bei Gott keine Pluspunkte verdienen, indem ich religiöse Übungen mache oder irgendetwas anderes, das aus mir selbst kommt. Göttliche Gnade ist immer unverdient.  Sonst wäre es keine Gnade. Gnade überrascht mich. Erwischt mich auf dem falschen Fuß und wirft mich aus der Bahn. Der allmächtige Gott liebt mich einfach so! Und nicht, weil ich irgendwas dafür getan hätte. Sondern allein, weil Jesus etwas dafür getan hat. Casting Crowns singen weiter:

Also höre ich auf, so zu leben, wie ich mich fühle
Und fange an, in deiner geoffenbarten Wahrheit zu stehen
Jesus ist meine Stärke, mein Schild
Und er wird mich niemals im Stich lassen

Als ich an der Kasse stand, traf mich die Gnade komplett umvorbereitet. Denn so ist Gnade. Sie trifft mich unvorbereitet, weil ich eigentlich überhaupt nicht mit ihr rechnen kann. Weil ich im normalen Leben nicht einmal mit ihr rechnen darf. Nur bei Gott, der seinen eigenen Sohn geschickt hat, kann ich damit rechnen.

Keine Ketten mehr, ich wurde befreit
Keine Kämpfe mehr, denn du hast für mich gewonnen
Jetzt, in Christus, bin ich vollständig

Ich hörte das Lied nicht bloß, ich hörte es. Luther hat einmal gesagt, dass Musik ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes sei, die den Teufel vertreibt. Und damit hat er Recht. Ich nehme viel Theologie in mich auf, wenn ich in der Bibel oder in Büchern lese. Und dabei denke ich selten daran, wie viel ich eigentlich durch Musik gelernt habe. Und an diesem Tag habe ich nicht nur gelernt, sondern ich wurde zugleich überrascht.

Gott erwischt mich immer wieder.

6 Kommentare zu „Wenn du nicht damit rechnest

  1. Träfe Sie auch die Gnade Gottes, wenn Sie BEWUSST immer wieder den gleichen Fehler machen würden?

    1. Hallo Infragesteller,
      das ist eine interessante Frage. Paulus hat sich damit mal im Römerbrief beschäftigt. In Rom 7,19 schreibt er:

      “ Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“

      Paulus ist sich also sehr bewusst, dass er immer wieder Dinge tut, die er nicht tun sollte.
      Was bedeutete das heute? Die Frage ist, wie wir das Wort Gnade verstehen. Göttliche Gnade habe ich nie verdient. Sonst wäre es keine Gnade, sondern einfach nur der Lohn für meine Taten. Dazu kommt, dass wir Christen glauben, dass wir aus eigenen Taten nicht zu Gott kommen können. D.h. wir können nicht so gut handeln, dass Gott uns aufgrund dessen bei sich annimmt. Annahme bei Gott bekomme ich nur, wenn ich auf Jesu Sterben für mich vertraue.
      Wie ist es nun, wenn ich bewusst immer wieder den gleichen Fehler mache? Ich glaube, man muss die Frage weiter denken. Es steht nicht zur Debatte, ob ich Fehler mache. Das wird passieren. Die Frage ist der Umgang damit. Tut es mir Leid und suche ich bei Gott Vergebung? Selbst das ist schon ein Geschenk der Gnade, weil Gott die Reue in mir wirkt.
      Ich glaube ehrlich gesagt, dass die Frage nach dem immer wieder gleichen Fehler stärker in den Bereich der Heiligung gehört. Ja, man kann Christ sein und immer wieder einen Fehler tun und ihn bereuen. So groß ist Gottes Gnade. Aber es gibt auch „Besserung“, wenn ein Christ durch die Heiligung Christus immer ähnlicher wird.
      Ich hoffe, die Antwort hilft dir.
      sdg
      Gunnar

      1. Guten Abend Pastor Gunnar,

        viel Dank für Ihre Zeit und für die Antwort.

        Ich oute mich als skeptischer ehemaliger Lutheraner, der zwar schon seit vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten ist, aber trotzdem die Finger von der Evangelischen Kirche nicht lassen kann. Das Bodenpersonal macht es mir schwer die Kirche ernst zu nehmen. Diese negative Meinung betrifft Sie natürlich nicht, da ich Sie kaum kenne. Ich kann und möchte Sie als ernstzunehmender Pastor aus Ihrem Blog wahrnehmen.

        Ist ein Pastor oder Pfarrer 24 Stunden am Tag Pastor oder Pfarrer? Kann ein Geistlicher sagen, dass wenn er bewusst einen Fehler begeht, dass er nicht im Dienst ist? Ist das anders zu bewerten?

        Ich denke, dass es auch darum geht, Fehler zu definieren. Manch ein Geistlicher schafft es, Fehler oder Fehlverhalten, aus meiner Sicht, schön zu reden. Möglicherweise bin ich päpstlicher als der Papst, aber es kann nicht sein, dass solche Kirchenvertreter tun und lassen, was sie wollen, manch ein Gebot außer Acht lassen und trotzdem ihr Verhalten als OK bezeichnen. Ich habe den Eindruck, dass oft, beliebte Geistliche über eine Fassade verfügen und dass die Person dahinter eine ganz andere ist, die die Gemeinde nicht kennt und auch nicht akzeptieren würde.

        Ich habe auch ein Problem mit der grenzenlosen Bereitschaft Gottes zu vergeben. Heißt für mich, dass jeder jedes Verbrechen ausüben kann und von Oben immer vergeben wird. Und wenn Gott immer vergibt, welche Rolle spielt das Jüngste Gericht, wenn ich sündenfrei sterbe, weil mir alles vergeben worden ist? Gott vergibt ja auch ohne Reue, oder?

        Falls Sie antworten möchten, jedoch nicht hier öffentlich, haben Sie ja meine E-Mail-Adresse.

        Einen schönen Abend wünsche ich aus Nürnberg!

      2. Guten Abend,
        zuerst einmal tut es mir Leid, dass Sie so schlechte Erfahrung mit meinem Berufsstand gemacht haben. Ich werde versuchen, dass das hier nicht noch einmal passiert.

        Ist ein Pastor oder Pfarrer 24 Stunden am Tag Pastor oder Pfarrer? Kann ein Geistlicher sagen, dass wenn er bewusst einen Fehler begeht, dass er nicht im Dienst ist? Ist das anders zu bewerten?

        Theologisch gesprochen ist ein Pastor 24 Stunden am Tag Pastor. Mit der Ordination gilt er als Pastor, selbst wenn er keine Stelle hat, bzw. in den Ruhestand geht. Die Frage ist für mich eigentlich eher: Was bedeutet es, Pastor zu sein? Bin ich dadurch ein besserer Mensch? Nein. Wenn ich eine Rangliste machen sollte, bin ich auf Platz eins erst einmal Christ. Pastor kommt auf Platz drei oder vier. In erster Linie sind Pastoren Christen und damit – wie jeder andere Christ – Sünder, die ihr Vertrauen auf Jesus setzen. Problematisch ist, dass Ihre Frage danach klingt, als wäre eine Art Ausrede im Spiel: „Samstag nachmittag bin ich kein Pastor, da mach ich was ich will.“ Das klingt nach einer Rechtfertigung. Wie gesagt: Als Pastor ist man nicht ohne Fehler. Als Pastor sollte ich gerade darin sicher sein, dass ich immer wieder Fehler machen werde. Denn als Pastor bin ich überzeugt, dass ich lediglich aus der Gnade Christi lebe.
        Von daher: 1. Nein, Pastoren sind immer „im Dienst“. 2. Dienst bedeutet nicht, besser als andere zu sein. (Anders zB bei den Katholiken, die von einer tatsächlichen Änderung des Standes des Menschen vor Gott ausgehen, wenn man zum Priester geweiht wird.)

        tun und lassen, was sie wollen, manch ein Gebot außer Acht lassen und trotzdem ihr Verhalten als OK bezeichnen

        Hier geben Sie meine Meinung wieder. Pastoren machen Fehler. Sie brechen auch Gebote. Wie jeder andere Mensch sind sie auf die Vergebung Gottes angewiesen. Aber sie können diese Fehler nicht schön reden. Vielmehr sollten sie eingestehen, dass sie Fehler machen und daran Gottes Vergebung zeigen.

        Und wenn Gott immer vergibt, welche Rolle spielt das Jüngste Gericht, wenn ich sündenfrei sterbe, weil mir alles vergeben worden ist? Gott vergibt ja auch ohne Reue, oder?

        Das jüngste Gericht spielt eine Rolle. Jesus hat wie kein anderer von Gericht und Hölle gesprochen. Ich versuche mal, das ganze in wenigen, kurzen Sätzen zusammen zu fassen (was bei einem solchen Thema in keiner Weise erschöpfend sein wird):
        1. Alle Menschen übertreten Gottes Gesetze, die er für diese Welt aufgestellt hat.
        2. Demnach haben alle Menschen im Gericht eine Strafe verdient, da sie als Sünder nicht der Heiligkeit Gottes entsprechen.
        3. Da Gott aber nicht nur gerecht und heilig, sondern auch liebend ist, hat er zur Rettung der Menschen seinen Sohn in die Welt geschickt.
        4. Jesus hat am Kreuz die Strafe auf sie genommen, die ich für meine Taten verdient hätte. Das ist ein Geschenk der Gnade.
        5. Dieses Geschenk muss ich allerdings auch annehmen. Und hier kommt die Reue ins Spiel. Ich muss mir eingestehen, dass meine Taten zu Teilen falsch waren und dass selbst die guten Taten nicht ausreichen, um vor Gott als gerecht da zustehen.
        6. Am Ende wird es also Menschen geben, die das Geschenk Jesu angenommen haben und welche, die es nicht getan haben. Das jüngste Gericht müssen Sie sich dann so vorstellen: Wenn ich vor Gott stehe, geht es in erster Linie nicht um meine Taten, sondern darum, ob ich Jesus angenommen habe. Denn meine eigenen Taten würden nicht reichen, um in den Himmel zu kommen.
        7. Dennoch werde ich mich vor Gott auch für meine Handlungen verantworten müssen. Nur entscheiden die Taten nicht über Himmel oder Hölle.

        Ist diese Erklärung hilfreich? Ich hoffe, es sind nicht zu viele schlaue Theologenworte. So gerne benutze ich die nämlich nicht ohne ordentliche Erklärung. Fragen Sie einfach nach. Wenn Sie zentrale Bibelstellen dazu lesen möchten, kann ich Rom 1-3 empfehlen.

        Ich wünsche einen schönen Abend,
        sdg
        Gunnar

      3. Guten Morgen Pastor Gunnar,

        vielen Dank für Ihre Worte und Ihre Zeit. Da haben Sie mir jede Menge Stoff geliefert, worüber ich nachdenken darf. Mit meinen „neuen“ Gedanken kann ich Sie aber nicht so schnell „belästigen“, da ich mich im Umzug befinde und nicht die Ruhe finde, um mich ausführlich mit Ihren Antworten zu befassen.
        Ich bin jemand, der in mancher Hinsicht einfach länger für die Reflexion und für die Meinungsbildung braucht. Abgesehen davon, dass Ihre Ausführungen zu neuen Fragen führen…

        Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen!
        Ihr Infragesteller

      4. Lieber Infragesteller,
        kein Problem, ich bekomme ja eine Meldung, wenn Sie schreiben.
        Viel Erfolg beim Umzug!

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