Denke ich an einen Pastor, habe ich recht schnell ein Bild vor Augen. Schwarz angezogen und ernst. Eine gewisse klerikale Schwere. Dass das Bild nicht immer stimmt, weiß ich selbst. Aber es ist eine Art von Stereotype, die ich nun einmal in Gedanken sehe.

Denke ich an eine Kirche, sehe ich auch recht schnell ein Bild. Ein großes Gebäude, romanischer oder gotischer Stil. Orgel und Stille. Auch das stimmt nicht immer.

Vielen Menschen geht es vermutlich ähnlich. Und das hindert sie, eine Kirche zu betreten oder einen Pastor anzusprechen. „Ach ne, Kirche ist doch…“ Jeder hat über die Jahre ein Bild von Kirche entwickelt. Das kann ein positives Bild sein, es kann aber auch ein negatives Bild sein. Oder – viel schlimmer – ein gleichgültiges. „Kirche hat mir eh nichts mehr zu sagen. Ist langweilig.“

Was ist da die Lehre? Stereotypen stehen uns manchmal schon im Weg, bevor wir einen Schritt auf Menschen zu gemacht haben. Es gibt Stereotypen, die sich ohne mein Zutun aufgebaut haben und die schon im Raum stehen bevor ich ihn überhaupt betreten habe.

Was können wir da machen? (Ganz) einfach: Weg mit den Stereotypen.

Es gibt eine Geschichte vom kürzlich verstorbenen Theologen Wolfhart Pannenberg. Er beschreibt darin einen seiner Lehrer, der ihn auf eine besondere Art überrascht hat:

Ich habe angefangen mich für das Christentum zu interessieren, weil unserer Deutschlehrer – obwohl er Christ war – nicht in das Bild eines Christen passen wollte, das ich bei Nietzsche gelernt hatte. Entgegen meiner Erwartung erfreute dieser Lehrer sich offensichtlich an der Fülle des Lebens in all seinen Formen – was er laut Nietzsches Beschreibung des christlichen Verstands nicht tun wollen würde. Also entschied ich, dass ich mehr darüber rausfinden musste.

Pannenberg war überrascht, weil das, was er erwartet hatte, nicht eintrat. Und dieser Moment des Unerwarteten hat sein Interesse geweckt. Was wäre wohl aus ihm geworden, hätte er nicht einen Christen getroffen, der sein Bild vom Christsein in Frage gestellt hat?

Was passiert wohl, wenn morgen jemand feststellt, dass du Christ bist und trotzdem nicht dem Bild entsprichst, das er die ganze Zeit im Kopf hatte?

weniger stereotypen

2 Kommentare zu „Weniger Stereotypen, bitte.

  1. Also, mir ist das Bild des schwarz angezogenen und ernsten Pfarrers oder Priesters mit der gewissen klerikalen Schwere lieber als die Realität wiederholt Geistliche in Kontakt- und Sexbörsen anzutreffen und erst recht, wenn sie in festen Händen sind. Das hat mir den Glauben an das Bodenpersonal total geraubt.

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