Manche Dinge passieren mit schöner Regelmäßigkeit. Der deutsche Sommer ist zu kalt, der Winter zu warm und grob geschätzt alle drei Monate kommt ein Hillsong-Album auf den Markt.

Und diesen Sommer war es Zeit für den Nachfolger zu Zion aus dem letzten Jahr. Mit No Other Name liegt somit das Album des Hillsong Mainacts Hillsong Worship in den Läden. Und wie jedes Jahr sind so einige großartige Songs aufgenommen worden. Werfen wir also einen Blick auf die Platte und die Theologie hinter den Melodien.

Zu Musik im Allgemeinen

Die Platte ist – wie jedes Jahr – großartig produziert. Wir treffen auf Bekanntes und Dinge, die wir inzwischen erwarten können, positiv sowie negativ. Positiv ist zuerst einmal die moderne Instrumentierung. Wir hören schönen Gitarrenmelodien, die mich immer wieder mit ihrer simplen Schönheit überraschen. Dazu atmosphärische Pads und Synthies (die 80er lassen grüßen) und gelayerte Drums auf allen Ebenen. Wunderbar also und eine Entwicklung, die nach dem letzten Album zu erwarten war.

Davon abhängig ist jedoch eine Tatsache, die bei mehrmaligem Hören auffällt: Die Platte ist insgesamt eine ziemlich sichere Kiste. Keine großen Überraschungen, keine großen Ausreißer. Solide, könnte man auch sagen.

Die Theologie im Allgemeinen

Das Hauptthema verrät die Platte schon in ihrem Titel: No Other Name.

Und in keinem anderen ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.

(Apg 4,12)

Hauptthema ist das Heil, das uns in Jesus Christus zu Teil wird. Für ein christliches Album eine gute Wahl!

Für mich fällt die Platte in zwei Teile. Ein großer Teil der Songs besteht aus soliden Worshipsongs mit eingängigen Melodien und Texten, die zum Mitsingen einladen. Da kann man nicht viel falsch machen, weder wenn man die Lieder in der Gemeinde nutzt oder alleine in der stillen Zeit.

Interessanter finde ich jedoch die zweite Gruppe an Songs. Das Album hat – soweit ich das überblicken kann – zum ersten Mal einen offensichtlichen Bezug zur christlichen Tradition. Besonders zu hören ist das bei den Songs This I believe (The Creed) und Our Father. Während im Text von This I believe (The Creed) das apostolische Glaubensbekenntnis zu finden ist, hören wir bei Our Father das Vaterunser. Eine wie ich finde gute Abwechslung zu den zum Teil doch manchmal simplen Texten mach anderer Lieder.

Insgesamt scheint sich ein für Hillsong neuer Trend abzuzeichnen: Waren die vorherigen Alben doch stark von Texten bestimmt, in denen es um unsere Hingabe an Gott ging, wandelt sich die Richtung mit diesem Album: Fokus ist nun Gottes Handeln in Jesus Christus für uns, woraus unser Glauben entspringt.

Ein paar Gedanken zu meinen Favoriten

This I believe (The Creed)

This I believe (The Creed) ist bestes Beispiel dafür, dass Lobreis auch theologisch anspruchsvoll sein kann. Anstelle der zu erwartenden Up-Beat-Nummer startet das Album nämlich mit einem gesungenen Glaubensbekenntnis. Damit ist der Track nicht nur ein Opener, sondern zugleich ein Statement: Was folgt, steht auf dem Fundament der christlichen Tradition der letzten zweitausend Jahre. Es geht auf diesem Album nicht nur – wie Hillsong manchmal vorgeworfen wird – um das heutige, emotionale Erlebnis der Gottesnähe.

Broken Vessels (Amazing Grace)

Wenn es einen Klassiker gibt, der den Umfang und die Erstaunlichkeit der Gnade Gottes für uns beschreibt, dann ist es Amazing Grace. Und genau dieses Lied findet sich im Refrain von Broken Vessels wieder. Allein deshalb kann ich das Lied immer wieder hören. Amazing Grace ist ein Klassiker und eine zeitlose Wahrheit.

Amazing Grace / how sweet the sound /that saved a wretch like me!

Dass auch die Strophen mit zu den schönsten auf dem Album gehören bereichert das Erlebnis nur noch.

No other Name

Der Track, der dem Album seinen Namen verpasst, überzeugt gerade in musikalischer Hinsicht. Die Dynamik im Refrain macht ihn zu einem der schnelleren Songs auf dem Album (wobei schnell im Allgemeinen nicht das Wort ist, um dieses Album zu beschreiben).

Wirft man einen Blick in die Apostelgeschichte, wird die Message deutlich: Es gibt keinen anderen Namen. Alles, was wir tun, passiert wegen Jesus. Alles passiert durch ihn, für ihn und wegen ihm. Er ist das Fundament und der Eckstein.

Calvary

Calvary behandelt Christi Werk für uns am Kreuz und nutzt dazu viele der bekannten Bilder und Wendungen. Gut reformatorisch steht Gottes Handeln im Mittelpunkt. Mit dem biblischen Bild des Bedeckens wird die Sühne beschrieben, die Christus am Kreuz erbrachte. Daraus ergibt sich unserer neu gewonnene Freiheit. Eine Freiheit, die wir in Christus haben und die uns zu einem Leben als Christ befähigt.

Our Father

Ähnlich wie This I believe (The Creed) basiert auch dieser Song auf einem Anker der christlichen Tradition, dem Vaterunser. Bereits in den ersten Zeilen wird ein wunderbares Verständnis von Tradition deutlich:

The words of Christ
Passed down through generations
The Son of God
Teaching us to pray
Echoed words
Father, have Your will, Your way in me
Completely

[Die Worte Christi / über Generationen zu uns gekommen / Der Sohn Gottes / bringt uns bei zu beten / mit Worten aus dem Echo / Vater, dein Wille geschehe, dein Weg in mir / vollständig]

An diese Worte schließt sich das Vaterunser an, das Gebet der Christenheit. Zusammen mit dem ersten Lied gehört Our Father damit zu den stärksten Tracks auf der Platte.

Ep

Erwähnenswert ist, dass Hillsong zeitgleich eine Reihe von EPs auf den Markt gebracht hat, die einige der Songs von No Other Name in anderen Landessprachen enthalten.

So ist unter anderem die deutsche EP Kein anderer Name erhältlich. Darauf finden sich deutsche Versionen von:

  • Das glaube ich [This I Believe (The Creed)]
  • Krüge aus Ton [Broken Vessels (Amazing Grace)]
  • Golgatha [Calvary]
  • Danke Jesus [Thank You Jesus]
  • Du machst alles neu [All Things New]

Eine geniale Sache für den Gemeindelobpreis, wenn man nicht nur die englischen Versionen spielen will.

Fazit

Insgesamt ist das Album gelungen. Theologisch ist es für mich momentan an manchen Punkten spannender als in musikalischer Hinsicht. Ein richtiger Knaller fehlt nämlich irgendwie. Kein Oceans wie auf der letzten Platte, keine Up-Tempo-Nummern wie auf dem Young&Free-Release. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht. Bei einer solchen Menge an Hillsong-Releases kann es von Vorteil sein, dass sich die Alben nun deutlicher unterscheiden.

Denn insgesamt will ich nicht davon abhalten, in die Platte reinzuhören. Ganz im Gegenteil. Denn auch bei aller Kritik ist es ein solides Album mit einigen zwar ruhigeren, aber dennoch sehr guten Tracks.

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