In den letzten Wochen gab es zwei Ereignisse, die eigentlich in keiner direkten Beziehung zu einander stehen. Dann wurden sie durch zwei Sätze verbunden.

Je suis Charlie.

Ich bin Olaf.

Charlie und Olaf. Zwei Namen werden zu Solidaritätsbekundungen. Für Meinungsfreiheit. Für das Evangelium.

Wir jubeln, wenn tausende Menschen sich neben die getöteten Mitglieder von Charlie Hebdo stellen und solidarisch für die Meinungs- und Pressefreiheit einstehen. Denn selbst wenn man mit den Inhalten von Charlie Hebdo und den (meiner Meinung nach) ziemlich schlechten und peinlichen Karikaturen nichts abgewinnen kann, bestehen wir auf eine Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit herrscht. Eine Meinungsfreiheit, die sich nicht von Gewalt einschränken lässt.
Ende Januar hat Olaf Latzel – Pastor der St.-Martini-Gemeinde in Bremen – eine Predigt über „Die Reinigung von den fremden Göttern“ gehalten. Und dann fielen Sätze wie diese:

„Dieser ganze Reliquiendreck und -kult ist heute noch in der katholischen Kirche verbreitet. Auch da muss man sagen, bei aller Ökumene: ,Da können wir nicht mitmachen.’“

Buddha ist dann ein „dicker, fetter Herr“ und das islamische Zuckerfest ist „Blödsinn“. Er hat das Anliegen, den Befehl Gottes zur Kultzerstörung im gelobten Land in unsere Zeit zu übertragen. In der christlichen Szene wird gejubelt. Einer traut sich und stellt sich mutig ins Kreuzfeuer der Medien, verkündigt das Evangelium ohne Rücksicht auf Verluste.

Das Problem: Erstens stellt sich mir die Frage, inwieweit eine Anweisung Gottes für das gelobte Land 3000 Jahre später eins zu eins nach Deutschland übertragen werden kann. Zweitens schießt er mit seinem Ton deutlich über das Ziel hinaus.

Es kam, wie es kommen musste: Die eine Seite der Medien nennt Olaf Latzel einen Hassprediger, die andere Seite sieht in ihm einen mutiger Verkündiger des Evangeliums.

Ist Olaf Latzel ein Hassprediger?

Nein. Im Zuge einer ordentlichen Darstellung: Es kommen auch solche Sätze vor:

„Wir haben den Menschen muslimischen Glaubens in Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen! Und wenn die verfolgt werden, dann haben wir uns vor sie zu stellen. Das ist unsere Aufgabe als Christen. Um da nicht missverstanden zu werden. Das ist unsere Aufgabe, denen wirklich in Nächstenliebe zu begegnen.“

Olaf Latzel spricht von Liebe und Barmherzigkeit. Ich wünsche mir, er hätte auch von Respekt gesprochen. Ich kann nur in Liebe begegnen, wenn ich Respekt habe. Und Respekt verbietet Worte wie Reliquiendreck und Blödsinn.

Das Problem: Olaf Latzel kann theologisch noch so lupenrein sein. Am Ende des Tages macht trotzdem der Ton die Musik. Oder mit anderen Worten: Die meisten Menschen werden bei einer solchen Predigt nicht das Evangelium hören, sondern Wut und Ausgrenzungen. Die Rezeption durch die Medien zeigt, was gehört wurde. Natürlich ist die Rezeption nicht gleichzusetzen mit dem Inhalt der Predigt. Ebenso glaube ich nicht, dass Olaf Latzel das Ausmaß der Predigt abschätzen konnte. Wer allerdings in der öffentlichen Verkündigung steht, sollte seine Worte weise wählen. Nicht um das Evangelium abzuschwächen, sondern um eine möglichst breite und unvoreingenommene Rezeption zu ermöglichen.

Denn geht es um das Evangelium, dann geht es nur um das Evangelium. Es ist niemals Evangelium plus andere Heilsmittel. Genauso sollte es nicht Evangelium plus Provokation sein.

Deshalb:

Ich stehe für bedingungslose Meinungsfreiheit. Wer allerdings mit solch stupiden Karikaturen provoziert, zeigt deutlich, dass es an nennenswerten Inhalten fehlt. Ich bin nicht Charlie.

Ich stehe für die heilende Kraft des Evangeliums. Für einen Leib Christi, in dem Annahme und Liebe gepredigt werden. Für Nächstenliebe und Respekt. Deshalb: Ich bin nicht Olaf.

[Die beiden Zitate stammen aus Olaf Latzels Predigt, die in Gänze hier gehört werden kann.]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s