Als vor einem Jahr Noah von Darren Aronofsky in die Kinos kam, habe ich eine kleine Zusammenfassung der damaligen Diskussion geschrieben. Der Witz ist: ich habe den Film gar nicht geguckt. Warum? Ganz einfach. Ich habe von allen Seiten gehört, wie wenig sich der Film an der Bibel orientiert. Wie viel ausgeschmückt ist und dass die Message dann doch irgendwie auf eine Umweltschutzpredigt hinaus läuft. Das war mir dann doch keine acht Euro wert. Inzwischen ist Noah mit seiner Arche auf Amazon Instant Video gestrandet. Das war für mich Grund genug, den Film doch mal anzuschauen. Zuerst zu meinen Vorurteilen von oben. Sie wurden beinahe alle bestätigt. Der Film hat riesige Steintransformer (gefallene Engel), die Noah beim Bau der Arche helfen. Und auch wenn die nicht in der Bibel vorkommen, sehen die doch ziemlich cool aus. Dann gibt es allerlei Nebenerzählungen, die in der Bibel nicht vorkommen (was bei einer Geschichte von drei Kapiteln auch nicht sonderlich verwunderlich ist). Dass Noah alle fünf Minuten predigt, dass man kein Gänseblümchen schief angucken sollte, war für mich nicht so deutlich. Für mein Empfinden, hatte sich die Umweltmessage recht schnell erledigt. Im Laufe der Films ist mir dann aber etwas aufgefallen. Noah ist mir an manchen Stellen des Films ziemlich ähnlich. Er tut Dinge, die ich oft bei mir selbst entdecke (Nein, ich baue keine Arche. Dafür habe ich gar nicht den Garten.) Er reagiert auf seine Umwelt, wie ich es manchmal tue. [Ab hier gibt es Spoiler für den Film.]

Manchmal überwältigt Gott mich

Das Interessante (oder auch: von vielen Bemängelte) an Noah ist, dass Gott nicht auftaucht. Keine Stimme aus den Wolken, keine brennenden Büsche. Tubal-Kain, der Bösewicht des Films, spricht es sogar aus: „Wir haben von Gott seit Adam nichts mehr gehört.“ Noah erfährt von seinem Auftrag nur aus Visionen und Albträumen. Und „erfahren“ ist hier eine ziemlich freie Beschreibung. Eigentlich reimt Noah sich zusammen, was Gott von ihm will. Er will Gottes Willen erkennen und stolpert von Vision zu Traum, zu Enttäuschung. Was will Gott von mir? Es gibt Tage, an denen die Antwort darauf deutlich ist. Es gibt aber auch Tage, an denen ich rate. Dann orientiere ich mich an den deutlichen Tagen.

Manchmal sehe ich das Schöne nicht

Noah beherbergt in seiner Arche die ganze Schönheit der Schöpfung. Alles, was noch lebendig ist, befindet sich auf einem Schiff. Und Noah steht in der Mitte des Lebens und sieht aus wie der Tod auf Latschen. Alles, was er noch sieht, ist seine Mission. Und er kommt zu dem Schluss, dass Gott die ganze Menschheit mit einer Flut vernichten möchte. Nicht nur die Menschen außerhalb der Arche, sondern auch alle Menschen auf der Arche. Noah und seine Familie sollten lediglich die Arche bauen und die Tiere retten. Das Problem: Es stellt sich heraus, dass Noah bald Großvater wird. Also kommt er zu dem Schluss, dass ein neugeborener Junge leben darf, eine Tochter jedoch nicht. Immerhin könnte sie durch eines der anderen Kinder Noahs zur Mutter werden. Das Leben ist wunderschön. Ich habe so viel, wofür ich dankbar sein kann. Und so oft übersehe ich genau das. Wie Noah stehe ich mitten in der Schöpfung und verliere den Blick für sie.

Manchmal bestrafe ich mich

Noah ist ein zerstörerischer Träumer. Am Ende liegt er betrunken und nackt in einer Höhle. Er kann nicht begreifen, dass er sich (aus seiner Sicht) Gott widersetzt hat. Er war sich sicher, dass es keine Menschen mehr geben dürfte. Menschen haben unterschiedliche Methoden, um mit Schuld und Versagen umzugehen. Die Einen schließen mit einem Kapitel ab und blicken in die Zukunft. Die Anderen baden in ihrer Schuld und lassen jeden weiteren Schritt von der eigenen Vergangenheit gefangen nehmen. Ich bin meist in der zweiten Gruppe. Warum? Keine Ahnung.

Manchmal hoffe ich, dass Dinge sich doch ändern

Am Ende sehen wir Noah auf einer grünen Insel unter einem Regenbogen stehen. Er segnet die nächste Generation der Menschheit, die er vor einigen Wochen noch auslöschen wollte. Er hat realisiert, dass Gott ihm die Wahl gelassen hat. Er hätte seine Enkeltochter töten können, um damit die Menschheit für immer auszulöschen. Im Vertrauen auf das Gute im Menschen und Gottes Segen hat er darauf verzichtet. Das Leben verändert sich, wenn man sich auf Gott verlässt und frei wird. Der Weg dorthin ist schmerzhaft. Ich muss das Alte zurücklassen und mich in unbekanntes Terrain begeben.   Ja, Noah hat – abgesehen von einem riesigen Schiff und einem Bart – nicht allzu viel mit der Geschichte aus der Genesis zu tun. Auf eine sehr eigene, verworrene und komplizierte Art ist Noah  aber dennoch ein Ausdruck von Glauben. Es ist ein Glaube, der sich irgendwo zwischen einem Glauben an einen Schöpfergott (und der Frage nach seinem Willen) und dem Glauben an das Gute im Menschen (und seine Möglichkeiten) bewegt. Und damit ist Noah eine Blaupause für die Menschheit. Für mich. Für dich. Für alle Menschen. Wem das nicht gefällt, der kann gerne die Originalgeschichte lesen: Genesis 6.   *Bonus: Steintransformer. noah watcher

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