Jesus war ein Geschichtenerzähler. Einmal wurde er gefragt, wie Gott eigentlich ist. Als Antwort hat er keine theologische Abhandlung mit neunzehn Punkten geliefert. Er hat eine Liebesgeschichte erzählt.

Die Geschichte ist so beeindruckend, dass Rembrandt gleich mehrere Bilder dazu malen musste und die Rolling Stones und Iron Maiden dazu ein Lied aufgenommen haben.

Jesus erzählt uns in einer der bekanntesten Geschichten der Bibel von einem Vater und seinen zwei Söhnen. Der eine Sohn ist älter und ordentlich. Der andere jünger und leidenschaftlich. Der Jüngere lässt sich sein Erbe auszahlen, geht von zu Hause fort, verprasst das Geld im Rekordtempo für Koks und Nutten, wird Schweinehirte und kommt nach Hause zurück gekrochen. Der Vater schließt ihn in die Arme, vergibt ihm und der ältere Bruder versteht die Welt nicht mehr.

Der Sohn bekommt neue Kleidung, Schmuck, Schuhe, ein Fest wird gefeiert. Kaum eine Stunde vergeht und der Sohn steht auf der Tanzfläche.

Und es wird getanzt.

Nur ein Grund zum Tanzen

Was der Sohn bisher in seinem Leben erreicht hat, ist kein Grund zum tanzen. Wie er mit Geld umgeht, ist auch kein Grund zum Tanzen. Das nächste Gespräch mit seinem älteren Bruder wird auch kein Grund zum Tanzen sein (ich bin bei uns selbst der ältere Bruder, ich weiß so was…).

Es gibt nur einen Grund, warum der Sohn tanzen kann. — Weil der Vater ihn immer noch liebt.

Nach allem, was er angestellt hat. Trotz allem, was der Vater über ihn weiß. Das ist der einzige Grund, warum er tanzen kann. Weil der Vater sagt: Komm her, hier bist du zu Hause.

Vergangenheit & Zukunft

So erzählt Jesus von der Liebe. Das ist die Liebe des Vaters. Das ist die Liebe Gottes. So erzählt Jesus, wer Gott ist.

Echte Liebe kennt weder Vergangenheit, noch Zukunft.

Liebe bedeutet, den anderen in seiner aktuellen Situation in die Arme zu schließen. Nichts aus der Vergangenheit hinterher zu tragen. Jemanden so zu lieben, wie er ist und nicht wie man ihn gerne hätte.

Das ist das Besondere an Gottes Liebe.
Gottes Liebe ist präsent. In jedem Moment der Gegenwart ist sie genau richtig. Das ist der Vater. Er sieht den Sohn und schließt ihn in die Arme. Er holt die alten Geschichten nicht raus. Keine Vergangenheit.

Er macht keine Pläne, mit denen Dinge aufgearbeitet werden müssten. Keine Zukunft.

Nur Liebe. In genau diesem Moment. In genau jedem Moment. Der Vater sieht den Sohn und liebt ihn. Gott sieht uns und liebt uns. Genau jetzt. Gottes Liebe ist immer jetzt und immer bedingungslos. Das ist das großartige.

Und das, was manchmal schwer zu begreifen ist.

Die Dinge im Griff

Ich habe ziemlich viel Zeit und viel Energie damit verbracht alles für mich selbst zu tun. Mein Leben für mich so gut wie möglich zu machen. Andere Menschen waren mir dabei egal.

Irgendwann kam dann die Idee in meinen Kopf, dass es ja vielleicht einen Gott gibt. Eine höhere, perfekte Macht, der ich irgendwann mal für mein ganzes Leben Rechenschaft schuldig bin.

Also habe ich mir gedacht, ich müsste mein Leben auf die Reihe bekommen. Müsste alles im Griff haben, bevor ich den Schritt zu Gott machen kann. Damit ich, wenn es soweit ist, bereit bin für ein richtiges Comeback.

Soll ich euch was verraten? Ich habe noch immer nicht alles im Griff.

Aber: Während ich noch überlegt habe, ist Gott mir schon lange entgegen gelaufen. Und er sagt: Wir kriegen das jetzt zusammen in den Griff. Denn Gott trägt mir meine Vergangenheit nicht hinterher. Gott ist schon da, wenn ich noch auf dem Weg bin.

Er ist ein Freund der Sünder. Ein Freund, der Menschen, die zugeben, dass sie Probleme haben. Wenn wir verstehen, dass wir Schwierigkeiten haben, wenn wir erkennen, dass es da Dinge gibt, die wir einfach nicht hinkriegen, dann ist er uns nahe.

Du musst nicht gut sein, um Gott zum Freund zu haben. Du musst nur ehrlich sein.

Bitte, geh tanzen

Oft denken wir, wir dürften nur tanzen, wenn wir auch ein Leben haben, das zum tanzen einlädt. Aber die viel größere Herausforderung ist es, zu Gott zu kommen und zu tanzen, wenn das einzige, wozu wir tanzen können, ist, dass er uns liebt — trotz allem.

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