Liebe ist eine allgegenwärtige Sache. Sie ist das größte aller Gefühle, ist das Happy End im Kino und scheint oft die Lösung all unserer Probleme zu sein.

Deshalb sehnen wir uns nach einem Menschen, der uns versteht, der das Leben mit uns teilen möchte, der immer an unserer Seite ist. Ganz ab von Hollywood ist echte Liebe ein Gefühl und ein Verlangen, das tief in uns verankert ist.

Trotzdem machen wir immer wieder die Erfahrung – sei es bei uns selbst oder bei anderen – dass es eine Angst vor Liebe gibt.

1. Wir fühlen uns verletzbar

Eine neue Beziehung ist unbekanntes Terrain. Häufig macht uns das Unbekannte Angst. Wir wissen nicht, was uns erwartet und deshalb wird uns ein Risiko abgefordert. Wir vertrauen einer anderen Person in großem Maß, erlauben ihr damit uns zu beeinflussen und Teil unseres Lebens zu werden. Dazu vernachlässigen wir unseren Selbstschutz und das fordert uns heraus. Wir glauben, dass wir uns umso verletzbarer machen, umso mehr wir vertrauen.

2. Wir werden an vergangenen Schmerz erinnert

Vom Beginn unseres Lebens an sammeln wir bewusst und unbewusst Erfahrungen von Verletzungen. Diese alten Verletzungen haben einen großen Einfluss auf unsere neuen Beziehungen. Sie lassen uns Menschen und ihre Handlungen in einem anderen Licht sehen. Wir vergleichen. Wir ziehen Parallelen und wollen Muster erkennen. Vielleicht nehmen wir auch Abstand von einem bestimmten Level an Intimität oder fürchten uns vor zu viel Nähe, weil alte Gefühle von Schmerz, Verlust, Wut und Ablehnung wieder nach oben kommen.

Eine Grundannahme der Psychologie lautet nicht umsonst: Wenn du dir etwas wünscht (wie zum Beispiel Liebe), wird es mit dem Schmerz verknüpft, den du empfindest, weil du es nicht hast.

3. Wir werden mit unserer Identität konfrontiert

Viele Menschen gehen davon aus, dass sie nicht geliebt werden sollten. Dass es niemanden gibt, der sie lieben könnte. Das liegt an einer inneren Stimme, die uns mit massiver Kritik konfrontiert. Wir selbst sehen uns immer in einem anderen Licht als der Rest der Welt es tut, da wir ein intimeres und deshalb einseitigeres Bild von uns haben.

Diese innere Stimme ist einerseits brutal und schmerzhaft, andererseits ist sie bekannt. Wir tragen sie seit Jahren mit uns umher. Kommt nun ein neuer Mensch in unser Leben und behauptet das Gegenteil von dem, was unsere innere Selbstkritik sagt, verwirrt das. Es kann soweit gehen, dass wir uns zurück ziehen, da unser bekanntes Muster der Identifikation angegriffen wird. Dann vertrauen wir der inneren Stimme, die wir schon seit Jahren kennen und die unsere angenommene Identität nicht in Frage stellt.

4. Mit echter Freude kommt echter Schmerz

Das leichteste Leben ist ein oberflächliches. Wie in einem Diagramm, das keine zu starken Ausschläge nach oben und unten hat, schwebt auch ein oberflächliches Leben immer nur um ein mittleres „Normal“.

Viele von uns scheuen vor den Dingen zurück, die uns am Glücklichsten machen könnten, da sie auch die Tore für echten Schmerz öffnen. Genauso stimmt es umgekehrt: Wer keinen echten Schmerz zulässt, kann auch niemals echte Liebe fühlen.

5. Es herrscht oft ein Ungleichgewicht

Häufig höre ich, dass Menschen mit jemandem nichts anfangen wollen, weil diese Person sie bereits „zu sehr“ liebt. Die Gefühle auf der anderen Seite scheinen einfach zu groß zu sein, um aufgefangen zu werden. Dahinter steht die Angst, dass die eigenen Gefühle sich nicht in gleichem Maße entwickeln und man den anderen schließlich verletzt. Dann scheint es leichter zu sein, keine Beziehung einzugehen.

Die Sache ist nur: Gefühle sind nie ausgeglichen. Weder zwischen zwei Menschen, noch innerhalb eines Menschen. Tagesform, Erlebnisse und Stimmungen können Liebe und Zuneigung in Frustration, Wut und Irritation umschlagen lassen. Innerhalb eines Tages. Und am nächsten Tag sieht es wieder anders aus. Nicht weil wir Menschen voller Wechsel und Bindungsunfähigkeit sind, sondern weil starke Gefühle unsere Handlungen beeinflussen.

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