159440_poster_1Was macht einen guten Bibelfilm aus? Zuerst einmal alles, was auch sonst einen
guten Film ausmacht. Glaubhafte Charaktere, eine spannende Story und nachvollziehbare Motivationen.

Aber häufig wird an einen Film, der eine biblische Erzählung zur Grundlage hat, noch ein zweiter Maßstab angelehnt: Wie genau folgt der Film dem Text? Und da bedient sich Auferstanden einem interessanten Kniff. Anstatt zu versuchen, eine biblische Geschichte nachzuerzählen, nimmt der Film einen kleinen Abschnitt und spinnt die Geschichte dazu weiter, wobei wir zwischendurch immer wieder auf bekannte Perikopen treffen. Am Anfang stehen diese Verse:

Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, kamen die Hohenpriester mit den Pharisäern zu Pilatus und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen. Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt. Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein.

(Mt 27,62-66)

Hauptfigur des Films ist ein Tribun namens Clavius (Joseph Fiennes).

Innerhalb der ersten fünfzehn Minuten erleben wir die Kreuzigung aus dem Blinkwinkel des Tribun mit anschließendem Abladen der beiden Räuber in einem Massengrab. (Auferstanden hat natürlich seine bildgewaltigen und blutigen Momente. Nicht auf Mel-Gibson-Niveau, aber dennoch.) Der Zuschauer bleibt beim Tribun und seinen Soldaten, die hier zur Abwechslung nicht als herzlose Kriegsmaschinen gezeichnet werden. Anstelle der Grablegung Jesu sehen wir die Einäscherung eines römischen Soldaten, der bei dem Aufstand des Barabbas ums Leben gekommen ist.

Nach einer kurzen Szene wird das Grab geschlossen und versiegelt. Kurz darauf – oh, Wunder! – ist das Grab leer. Clavius wird von Pontius Pilatus beauftragt, das Rätsel um die verschwundene Leiche zu lösen, um einem möglichen Aufstand der Anhänger Jesu vorzubeugen. Die erste Hälfte des Films ist von nun an eine eigentlich ganz interessant erzählte Mysterystory nach dem Motto „Wer hat die Leiche geklaut?“. Clavius interviewt Menschen, die Jesus begegnet sind. Er trifft sich mit Maria Magdalena. Immer wieder erzählen die Menschen von den Taten Jesu und Clavius und sein Gefährte Lucius (gespielt von Tom „Draco Malfoy“ Felton) suchen logische Erklärungen für alles, was sie hören. In seiner ersten Hälfte spielt der Film die klassischen Erklärungsversuche für das Unerklärliche durch.

Nach knapp einer Stunde nimmt der Film seine Wendung. Clavius, der immer wieder mit seinen römischen Götterbildern um Hilfe feilscht, steht mit einem Mal im Haus der Jünger, zieht mit ihnen dem Auferstandenen hinterher und wird schließlich Zeuge der Himmelfahrt. Und auch wenn Joseph Fiennes den Clavius derart monoton und stoisch spielt, nimmt man ihm in diesem Moment ab, dass sein Weltbild zusammenbricht.

Die Wende

Seine Enttäuschung offenbart Auferstanden, wenn er sich von seiner durchaus originellen Prämissen abwendet und ein Bibelfilm wird. Das meiste haben wir schon gesehen und manches mal auch besser. Denn ganz egal, wie fest du im Glauben stehst: Wenn Jesus das erste Mal nach der Auferstehung ins Bild kommt, muss man die Zähne schon etwas zusammenbeißen. Die Großaufnahme soll wohl Ehrfurcht erzeugen, führt aber eher zu einem Grinsen.

Zu Gute halten muss man den Machern jedoch, dass sie mit Cliff Curtis einen Jesus gecastet haben, der immerhin optisch in die Region passt. Jeder andere Schauspieler im Film wirkt – egal ob Römer oder Jude – dann doch wieder mal recht britisch. Dennoch: Im Vergleich zu manch anderen Filmen, die in den letzten Monaten in die Kinos gekommen sind (God’s not dead; God’s not dead 2; War Room; etc), fühlt sich Auferstanden deutlich wertiger an.

Fazit

Manche Christen leben in einer Blase. Denn obwohl die christliche Gemeinde an sich ein nach außen gerichteter, missionarischer Zusammenschlüssen von Glaubenden sein sollte, neigt jede Community dazu, sich auf Dauer in einem bestimmten System zu Hause zu fühlen. Damit ist der Blick schnell auf eine Innenansicht verdammt. Irgendwann fühlt man sich in bestimmten Zusammenhängen zu Hause und fürchtet Veränderung. Weil dann nicht mehr alles so sein kann, wie man es kennt und gerne mag.

Der neue Blickwinkel auf eine bekannte Geschichte bietet die Möglichkeit, die Auferstehung Jesu neu zu erfahren. Denn auch wenn Jesus in diesem Jesusfilm nur eine Nebenrolle hat, bringen ihn uns die verschiedenen anderen Figuren auf eine besondere Weise nahe. So wird versucht, ein breiteres Spektrum abzudecken, als es die üblichen Jesusfilme tun. Klappt nicht immer.

Insgesamt hätte dem Film ein wenig mehr Mut gut getan. Gerade in der zweiten Hälfte wird für meinen Geschmack ein wenig zu stark versucht, die typischen Topoi des Jesusfilms nachzuholen und der besondere Blickwinkel verschwimmt. Ebenso hätte ein zweiter Konflikt gut getan. So erscheint der Film schnell als eine Aneinanderreihung von Szenen.

Und auch wenn die erste Hälfte knapp als CSI: Jerusalem durchgeht und ohne viel Background funktioniert (da wir einem Agnostiker folgen), ist die zweite Hälfte für Christen gedacht. Die Außenperspektive, die ja gewissermaßen der Aufhänger des Films ist, nimmt ab und was übrig bleibt, ist ein mittelmäßiger Bibelfilm.

Ein Kommentar zu „Auferstanden & die andere Perspektive [Filmreview]

  1. Seitdem ich von einer inneren Stimme vor zwei Wochen noch einmal aus dem Judentum ins Christentum zurück gerufen wurde, sind meine Gedanken und Gefühle Jesus Christus gegenüber ein einziges Chaos.
    Gestern war ich besonders verwirrt, als ich aus dem Besuch der Baptistengemeinde nach Hause kam, und sah mir dann spätabends den Film „Das Johannesevangelium“ auf You Tube an.
    Niemals zuvor hatte ich das Evangelium so gut „in seiner Ganzheit“ begriffen, und ERKANNT, was Gott alles getan hat und tut, um den Menschen zurück zu holen aus seiner geistigen Finsternis, um ihm ein Leben im Licht zu schenken…bereits hier in dieser Welt und noch viel, viel mehr danach.

    Ich wünsche Dir eine schöne Woche, reich an Gottes Segen
    und ganz liebe Grüsse
    Doris

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