Hast du manchmal Probleme Nein zu sagen? Ich schon. Tief drinnen bin ich einer, der gefallen will. Ich hasse es, Menschen zu enttäuschen.

In letzter Zeit habe ich gerade im Zusammenhang mit Gemeindearbeit immer wieder darüber nachgedacht, wann und vor allem warum man zu Dingen nein sagen muss. Ich gehe daher einfach mal davon aus, dass es nicht nur für mich wichtig ist, zu verstehen, warum wir nein sagen müssen, sondern auch für dich. Ganz egal, ob du in einer Gemeinde arbeitest oder nicht. Immerhin erleben wir alle oft das Phänomen, das man gerne als FOMO (fear of missing out) bezeichnet. Die Angst, etwas zu verpassen, wenn man nicht schnell ja sagt.

Fünf Gründe

Hier sind fünf Gründe, warum es wichtig ist, nein sagen zu können.

Wenn wir nicht besser darin werden, nein zu sagen…

  1. stellen sich die Prioritäten anderer Leute über unsere.
  2. nehmen Bekannte (Menschen, die wir kaum kennen) Zeit ein, die für Familie und Freunde da ist.
  3. haben wir nicht genug Zeit zur Ruhe und Erholung.
  4. werden wir frustriert und gestresst.
  5. werden wir nicht in der Lage sein, zu den wichtigen Dingen ja zu sagen.

Gerade der fünfte Punkt hat mich besonders zum Nachdenken gebracht. Wann immer ich zu etwas unwichtigem nein sage, kann ich zu etwas wichtigem ja sagen. Mein Tag hat nur 24 Stunden und am Ende will ich nicht aus den falschen Gründen zu den falschen Dinge ja gesagt haben.

Aber wie sage ich richtig Nein?

William Ury beschreibt in seinem Buch The Power of a Positive No eine Strategie, bei der weder die Beziehung zum Gegenüber noch die eigenen Prioritäten geopfert werden müssen.

Diese simple Formel folgt einer Ja-Nein-Ja-Antwort. Ein positives Nein beginnt und endet also mit einem Ja.

Ein positives Nein besteht aus drei Teilen:

  1. Ja: Es beginnt mit einem Ja zu mir selbst und dem Schutz dessen, was mir wichtig ist. Eine positive Rückmeldung an das Gegenüber schadet auch nicht.
  2. Nein: Es folgt ein klares Nein, das Grenzen absteckt. Ebenso wird kein Spielraum geschaffen durch ein vielleicht oder ein „vielleicht ändert sich in der Zukunft noch etwas und dann könnte ich es vielleicht versuchen…“
  3. Ja: Am Ende steht ein Ja, das die Beziehung zum Gegenüber bestärkt und eine andere Lösung für die Anfrage vorschlägt, bzw. an jemand anderen verweist.

Aber ist das nicht ein wenig unchristlich? Grenzt das nicht schon ans Abwimmeln? Als Pastor weise ich natürlich gerne auf Jesus. Ich glaube Jesus hat es nicht anders gemacht. Denn bei dem ganzen Konzept geht es nicht darum, nichts zu tun. Es geht darum, das richtige zu tun. Prioritäten zu setzten. Und das geht nur, wenn man andere Dinge ablehnt.

Zwei Beispiele

Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort. Und Simon und die bei ihm waren, eilten ihm nach. Und da sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Orte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.

(Mk 1,35-38)

Jesus verlässt Kapernaum. Hier hat er Menschen geheilt und hat gepredigt. Und er ist eigentlich noch nicht fertig. Andere Menschen wollen auch zu ihm. Aber: Jesus geht weiter. Jedermann sucht dich, sagen seine Jünger. Jesu Antwort ist nicht: „Oh Moment, dann gehe ich lieber zurück, um niemanden zu enttäuschen.“ Nein. Jesus weiß um seinen Auftrag und zieht weiter, weil er Prioritäten und ein Ziel hat.

 

Als nun das Volk sah, dass Jesus nicht da war und seine Jünger auch nicht, stiegen sie in die Boote und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus. Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Meeres, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hergekommen? Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.

(Joh 6,24-26)

„Rabbi, wann bist du hergekommen?“ Jesus ist ja auch nicht doof. Er weiß, was das Volk von ihm will: mehr Essen. Das Volk hat nämlich gehört, dass Jesus ein Speisewunder vollbracht hat. Also sagt er: „Ihr sucht nicht mich, sondern wollt wieder umsonst essen.“ Jesus weigert sich, das Wunder zu wiederholen und lehrt sie stattdessen über das Abendmahl, das eine Nahrung ist, die sie viel nötiger haben.

 

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