In den letzten Jahren haben sich drei große Lobpreisbands im englischsprachigen Bereich herauskristallisiert. Hillsong United/Worship, die bereits eine lange Geschichte hinter sich haben, Bethel Music und gerade mit den letzten beiden Alben Elevation Worship.

Mit Wonder legen Hillsong United nun ihr fünftes Studioalbum vor.

Mein schönstes Hörerlebnis habe ich, wenn ich ein Album tatsächlich von vorne bis hinten in Dauerschleife hören kann. Gerade bei Lobpreis ergibt sich so ein tiefes Erlebnis der Musik und Texte. Mit jeder Wiederholung gehen die Worte in mein Herz über, bis ich mich irgendwann an der Kasse bei Lidl erwische, wie ich Zeilen über Gottes Liebe zu uns summe.

Genau das habe ich auch bei Wonder versucht.

Track 1 – Wonder

Die bereits zuvor veröffentlichte Leadsingle gibt dem Album nicht nur seinen Titel, sondern zeigt auch, in welche Richtung wir uns thematisch bewegen. Es geht um das Wunder. Um das Wiederentdecken von Gottes Blick auf die Welt. Und mal ehrlich: Wenn das kein Ohrwurm ist, weiß ich auch nicht. Ich habe den Track gehört und war gehyped. Zurecht. Auch wenn der Text ein wenig vage daherkommt, liefert der Track ab. Sympathisch war mir ab dem ersten Hören vor allem die klassische Struktur. Hatten Hillsong auf ihren letzten Alben viel mit sehr langen Stücken und Klangteppichen experimentiert, kommen wir hier wieder zu einer guten Songstruktur mit Strophe, Refrain und Bridge zurück.

Track 2 – Shadow Step

Ebenfalls eine Vorabsingle und musikalisch und thematisch im Fahrwasser von Track 1. Gerade die Bridge bietet thematisch einen wunderschönen Eindruck dessen, worum es bei Wonder geht:

I can’t explain Your heart
Or dare to trace-out all You are
But when I think about
The road You took for love
I know Your grace will stay the path

Track 3 – Future Marches In

Der Lauf geht weiter, hier vor allem unterstützt durch Bass und Drums. Ein Track, der mit dem nötigen Tempo aufruft vom Kreuz aus in die Zukunft zu blicken. Im Vordergrund steht ganz klar die Hoffnung, die Gottes realitätsverändernde Zukunft ins Hier und Jetzt bringt.

Diese ersten drei Tracks legen einen genialen Start hin. Ich werde direkt mit hineingenommen und stehe selbst staunend vor diesem Gott, vom dem gesungen wird. Und darum geht es im Beginn des Lobpreises. Ich muss mich Gott öffnen und die Musik nimmt mich mit in ein Geschehen. Das gelingt. Ohne Zweifel.

Tracks 4, 5 & 6 – So I Will, Splinters and Stones, Glimmer in the Dust

Diese drei Tracks gehören mit zu den besten der letzten Jahre. Mit So I Will haben Hillsong sich das durchaus schwierige Thema vorgenommen, Schöpfung in Musik zu verpacken. Selten wird die Größe der Schöpfung und das Erschaudern vor ihr annähernd in der Musik deutlich. Auch hier fehlt ein wenig Bombast, den ich erwartet hatte. Genial ist jedoch die Idee, die Schöpfung als einen Ausdruck des Lobpreises zu sehen, in den wir einstimmen.

Gerade im Zusammenspiel erreichen die Tracks ihr Potential. Musikalisch zieht sich hier ein roter Faden, der in der zweiten Hälfte vermisst wird.

Tracks 7-12 – Greatest of These, Shape of your Heart, Not Today, Life, Rain/Reign, Water to Wine

Die zweite Hälfte der Platte lässt einen roten Faden vermissen, wie er in der ersten Hälfte deutlich war.

Für alle Stärken im ersten Teil, kommen hier einige Schwächen zum Vorschein. Shape of your Heart ist recht monoton und kommt nicht so richtig zum Punkt. Bei Not Today und Life stellt sich ein ähnliches Problem ein. Insgesamt ist die zweiter Hälfte weniger variantenreich als die erste. Und wer meine Abneigung gegenüber zu langen Worshipsongs kennt, muss mich nicht nach dem knapp zehn Minuten langen Water to Wine fragen.

Fazit

Joel Houston beschreibt die Idee hinter dem Album so:

„This is the challenge, and this is what worship— if worship can be summed up as an expression of art and music and story— is ultimately designed to do. To elevate the conversation, re-awaken the soul to something other, and lift our eyes to the wonder of a superlative truth.“

(Longs, Herb (18 May 2017). „Hillsong UNITED To Release New ‚Wonder‘ Record June 9“. The Christian Beat. Retrieved 28 May 2017.)

 

Nach mehrmaligem Hören ist Wonder ein solides Album. Was mir fehlt, ist jedoch ein verbindender Sound, wie Hillsong United ihn auf den letzten beiden Veröffentlichungen präsentiert haben. Zion war sehr energiegeladen und voller Elemente aus elektronischem Indie-Pop, Empires war dafür langsamer und voller detailverliebtem Synthpop. Beide Alben waren musikalisch und thematisch unglaublich fokussiert. Bei Wonder fehlt mir das gerade in der zweiten Hälfte. Das Album legt unglaublich stark los. Hängt gegen Ende dafür durch. Vielleicht sind 71 Minuten auch einfach zehn Minuten zu viel.

Theologisch bleibt aber eine Tatsache, die in der aktuellen Lobpreisszene manchmal übersehen wird. Im alltäglichen Leben vergisst man leicht, wie unglaublich Gott ist. Viele Lobpreislieder und Bands sind gut darin, persönlichen Dank und Freude Gott gegenüber auszudrücken. Das pure Staunen Gott gegenüber bleibt da leicht auf der Strecke. Wonder übertrifft in diesem Bereich deutlich die Erwartungen. Wie der Titel bereits vermuten lässt, geht es um mehr als einen Moment des Lobpreises – es geht um das Staunen der Majestät Gottes gegenüber und seiner unglaublichen Werke. Gerade da ist dieses Album zur Zeit einzigartig.

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