Ein Vater, ein Sohn und eine kaputte Welt

Ein Rabbi sitzt an seinem Schreibtisch und bereitet den Synagogengottesdienst vor. Er ist umringt von Büchern und Kommentaren, da klopft es an der Tür.

„Herein.“

Einer seiner Söhne betritt das Büro. „Papa, ich möchte spielen.“

Aber der Rabbi hat keine Zeit. Er muss noch heute fertig werden. Trotzdem möchte er seinen Sohn nicht enttäuschen. Also nimmt er eine Zeitschrift und reißt eine Seite heraus. Die Seite zeigt eine Karte der Welt. Er zerreißt das Blatt in viele kleine Stücke und gibt sie seinem Sohn. „Guck mal, das ist ein Puzzle. Erst sind es bloß ganz viele einzelne Stücke. Aber wenn du sie wieder zusammensetzt, gibt es ein großes Bild. Und wenn das Bild wieder heil ist, dann gehen wir nach draußen und spielen.“

Der Sohn nimmt die Puzzleteile und verschwindet. Jetzt hat der Vater seine Ruhe. Denn sein Sohn ist noch ziemlich jung. Er weiß gar nicht, wie die Welt aussieht. Er weiß nicht, wo Amerika liegt, wo Australien ist. Genauso wenig kennt er die Berge oder weiß, wo welches Meer liegt. Der Vater hat nun also alle Zeit der Welt. Er nimmt seinen Stift und arbeitet weiter.

Fünf Minuten später klopft es wieder an der Tür.

„Herein.“

Wieder kommt sein Sohn in das Arbeitszimmer. Auf den Händen balanciert er eine Unterlage, auf der das fertige Puzzle liegt. „Hier, Papa. Fertig.“

Der Vater ist erstaunt. Jedes Puzzleteil liegt am richtigen Ort. „Wie hast du das gemacht?“

„Das war ganz einfach, Papa. Ich habe alle Teile umgedreht. Auf der Rückseite war das Gesicht eines Menschen zu sehen. Und wie ein Mensch aussieht, weiß ich. Da war ein Auge. Augen habe ich auch. Da war eine Nase. Eine Nase habe ich auch. Da war ein Mund. Einen Mund habe ich auch. Also habe ich das Gesicht wieder zusammengesetzt.

Und als der Mensch heil war, war auch die Welt wieder heil.“

 

Tanz.

Jesus war ein Geschichtenerzähler. Einmal wurde er gefragt, wie Gott eigentlich ist. Als Antwort hat er keine theologische Abhandlung mit neunzehn Punkten geliefert. Er hat eine Liebesgeschichte erzählt.

Die Geschichte ist so beeindruckend, dass Rembrandt gleich mehrere Bilder dazu malen musste und die Rolling Stones und Iron Maiden dazu ein Lied aufgenommen haben.

Jesus erzählt uns in einer der bekanntesten Geschichten der Bibel von einem Vater und seinen zwei Söhnen. Der eine Sohn ist älter und ordentlich. Der andere jünger und leidenschaftlich. Der Jüngere lässt sich sein Erbe auszahlen, geht von zu Hause fort, verprasst das Geld im Rekordtempo für Koks und Nutten, wird Schweinehirte und kommt nach Hause zurück gekrochen. Der Vater schließt ihn in die Arme, vergibt ihm und der ältere Bruder versteht die Welt nicht mehr.

Der Sohn bekommt neue Kleidung, Schmuck, Schuhe, ein Fest wird gefeiert. Kaum eine Stunde vergeht und der Sohn steht auf der Tanzfläche.

Und es wird getanzt.

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